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Gepostet by on Nov 6, 2010 in Allgemein, Energie, Finanzen, Forschung, Geld, Geschichte, Gesundheit, Natur, Politik, Technik, Umwelt, Wirtschaft | 1 Kommentar

Abkehr vom Atomausstieg beschlossen – Opposition will klagen

Mit den Stimmen der Union und der FDP hat der Bundestag am Donnerstag (28.10.2010) die Abkehr vom Atomausstieg beschlossen. Die Opposition, SPD, B90/Grüne und die Linke, will nun eine Verfassungsklage anstreben, da der Bundesrat nicht mitentscheiden durfte. Diese Abkehr vom Atomausstieg beinhaltet eine durchschnittlich um zwölf Jahre verlängerte Laufzeit der zum Teil veralteten 17 deutschen Atommeiler.

Dokumentation über die „Erblast“ Atommüll

Die Verlängerung der Atomlaufzeiten ist ein fundamentaler Punkt des schwarz-gelben „Energiekonzepts“. Die heutige Opposition wiederum, welche in der rot-grünen Regierung vor zehn Jahren den Atomausstieg bis 2021 durchsetzte, warnt vor den Gefahren der Technik und davor, dass der billige Atomstrom den Ausbau erneuerbarer Energien verzögere.

Momentan hat Deutschland weltweit eine Spitzenposition im Forschungsbereich der regenerativen Energien inne. Vor allem Solarkraft „Made in Germany“ genießt international einen hervorragenden Ruf und die Auftragsbücher von Unternehmen dieser Branche sind voller denn je. Ein Zustand, der sich nach Befürchtungen von Oppositionspolitikern und unabhängigen Energiemarktexperten aber durch die schwarz-gelbe Verzögerung im Atomausstieg nicht nur für die Sonnen-, sondern auch für die Windkraft ändern kann, wenn nicht sogar wird.

Denn Atomkraft ist kurzfristig betrachtet preisgünstiger. Die Kraftwerke stehen schon, die Betriebskosten sind im Vergleich zu beispielsweise Kohle- und Erdgaskraftwerken mit ihrem dauerhaften Ressourcenzustrom schwindend gering. Die Investitionen in die Erforschung der Atomkraftnutzung verglichen mit denen in die erneuerbaren Energien quasi gleich null und finanzielle Abgabe aufgrund erhöhter Kohlenstoffdioxid-Emissionen haben die Betreiber auch nicht zu befürchten.

Es ist also kaum verwunderlich, dass die Quasi-Energiemonopolisten und Verbundnetzbetreiber E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall sich ihr politisches Gewicht mit Hilfe der Koalition zu Nutze machen, um den rot-grünen Atomausstieg zu verzögern; Milliardengewinne sind diesen Stromgiganten in den nächsten Jahrzehnten garantiert.

Doch trotz aller Bekundungen der Atomlobby hat man es bei weitem nicht mit einem sicheren und autark zukunftsträchtigen Stromgewinnungsverfahren zu tun. Das größte Problem stellt hierbei natürlich die Radioaktivität dar. Keinem Staat, welches die Atomkraft nutzt, ist es bis zum heutigen Zeitpunkt gelungen, das Problem der Entsorgung des in beträchtlichen Mengen anfallendem Atommülls zu lösen.

Plutonium 239, einer von vielen hochradioaktiven Bestandteilen des Atommülls, hat eine Halbwertzeit von 24.000 Jahren. Also in 24.000 Jahren ist die Hälfte dieser Plutoniumisotope zerfallen und die Radioaktivität somit auf die Hälfte des Ursprungswertes abgesunken. Bevor diese Radioaktivität nicht abgeklungen ist, dürfen Menschen mit dem Atommüll nicht in Kontakt kommen. Und dieses Abklingen bedarf rund 10 Halbwertszeiten oder eben 240.000 Jahre. Folgerichtig, bleibt die Menschheit ungefähr eine Viertelmillion Jahre auf dem gefährlichen und heute anfallenden Atommüll sitzen.

Die einzigen vermeintlichen Lösungen dieser Atommüllproblematik bestehen momentan darin, ihn tief in der Erde zu vergraben oder darauf zu hoffen, dass kluge Köpfe zukünftiger Generationen Auswege finden. Im Falle des Vergrabens zeigen Diskussionen um die Sicherheit des Zwischenlagers Asse (täglich müssen 12 Tonnen Wasser abgepumpt werden) die berechtigten Zweifel an diesem Entsorgungskonzept und das „Nach-uns-die-Sinnflut“-Denken darf nicht ernsthaft das heutiges Handeln bestimmen.

Ein Blick wiederum auf unsere derzeitige Sicherheit bezüglich der Atomkraft zeigt, dass es sich hier um mehr als ein Spielen mit dem Feuer handelt. 1986 erlebte die Welt in der heutigen Ukraine die bis dato größte Katastrophe in der Geschichte der friedlichen Kernenergiegewinnung. Tschernobyl wurde über Nacht zum Symbol für die zerstörerische Wirkung der radioaktiven Gammastrahlung. Ein Areal von circa 218.000 km² wurden damals stark radioaktiv verseucht (zum Vergleich d. Fläche Deutschlands: 357.112 km²) und große Teile davon (verteilt auf die Ukraine, Weißrussland und Russland) bleiben noch über Jahrzehnte unbewohnbar für den Menschen.

Stimmen, die diesen Super-GAU (GAU=größter anzunehmender Unfall) als sowjetischen Einzelfall abtun und ihn in die Rubrik des heutzutage Unmöglichen stecken, sei eine Aufzählung von vier beinahe nuklearen Katastrophen in dem Zeitraum von 1986 bis 2007 in deutschen AKWs entgegen zu halten. Sei es der Verlust von wichtigen Kühlmitteln, der Stau in einem Zuleitungsrohr oder ein simpler Kurzschluss, eine hundertprozentige Sicherheit in der Atomkraft gibt es nicht. (zu den Einzelheiten dieser Zwischenfälle)

Die Frage stellt sich hier nun zwingend, mit welcher Argumentation schwarz-gelbe Volksvertreter und Kernkraftbefürworter diese fundamentalen Zweifel entkräften wollen.

Die zwei Hauptargumente der Verbundnetzbetreiber sind :

1.Die Erzeugung von Energie durch Kernkraftwerke vermindert durch kaum vorhandene Kohlenstoffdioxid-Emissionen den Treibhauseffekt und schont damit das Weltklima.

Das ist nur bedingt richtig. Es stimmt, dass kein Kohlenstoffdioxid als Nebenprodukt der unmittelbaren Stromerzeugung in AKWs entsteht. Nun da aber durch die Gewinnung und Anreicherung von Uran und durch den aufwendigen Transport von wiederaufbereitetem Atommüll (Stichwort „Castor“) nicht von einer emissionsfreien Energiegewinnung die Rede sein kann, schont die Atomwirtschaft keineswegs in diesem Sinne das Weltklima.

2.Durch den ursprünglichen Atomausstieg entsteht eine Versorgungslücke, die durch erneuerbare Energiegewinnung nicht geschlossen werden kann.

Falsch. Zwar ist eine Stromgewinnung in Deutschland durch Erdwärme kaum möglich und durch Wasserkraft in Deutschland schon ausgereizt, doch ist es technisch machbar, den Strombedarf ausschließlich durch Sonnen- und Windkraft zu decken. Dächer für Solarmodule gibt es bekanntlich genug und das Problem der Stromspeicherung bei ungünstigem Wetter ist durch Pumpspeicherkraftwerk, Akkumulatorbänken (Hausgebrauch) und Brennstoffzellen lösbar.

Woran es E.ON, RWE, EnBW und Vattenfall mangelt, ist die Bereitschaft, eine gewisse Anfangsinvestition zu tätigen. Das Planen, Herstellen und Errichten von Solaranlagen kostet einiges und kann kurzfristig mit abgeschriebenen (kaum Kosten verursachenden) Atomkraftwerken finanziell nicht konkurrieren. Verminderte Quartalsgewinne dieser Betreiber wären die Folge.

Jedoch muss abschließend erwähnt werden, dass sich die Stromgiganten in einer Art Bringschuld befinden. Es darf nicht vergessen werden, dass der Staat (und damit der Steuerzahler) Hunderte Milliarden Euro in den letzten fünf Jahrzehnten in die Atomforschung, den Bau von Kernkraftwerken und die Infrastruktur investiert hat. Eine Investition, die jetzt bei der erneuerbaren Energiegewinnung von Nöten wäre.

1 Kommentar

  1. Es geht den Kraftwerkbetreibern immer nur ums Geld. Sie denken nie an unsere Umwelt, Hauptsache sie haben ihren Gewinn. Nun sprechen die Energiekonzerne davon, dass nicht ausreichend Strom produziert würde ohne die Atomenergie, aber das ist erneut nur eine der vielen Ausreden um den Atomausstieg zu bremsen. Auch die Bundesregierung will den Energieriesen entgegenkommen, indem sie ihnen erlaubt, die Stromkontingente der 7 Atommeiler, die ab sofort ausgeschaltet werden sollen, auf neuere Meiler zu übertragen. Ich denke, dass das alles nur zur Zeitgewinnung dient. Ich werde mich auch weiterhin gegen die Atomkraft einsetzen.