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Gepostet by on Okt 7, 2010 in Allgemein, Ausland, Geschichte, Gewalt, Politik, Terror |

„Allah ist groß“ – Times Square-Bomber zu lebenslang verurteilt

Ein Bundesgericht in New York hat den US-Bürger und gebürtigen Pakistaner Faisal Shazad am Dienstag (5.10.2010) zu einer lebenslangen Haftstrafe wegen versuchten mehrfachen Mordes verurteilt. Die Richter sahen es als erwiesen an, dass der 31-Jährige Finanzfachmann am 1. Mai diesen Jahres einen Wagen mit einer Autobombe am New Yorker Times Square parkte, um „soviele Ungläubige wie möglich“ zu töten. Den Urteilsspruch kommentierte Shazad mit einem lauten „Allah ist groß“ und kündigte an, dass etliche US-Jihadisten wie er selber unmittelbar davor stünden, Amerika zu besiegen.

Gerade das Novum, dass ein US-Bürger einen Terroranschlag vorbereitete und , wenn auch nicht erfolgreich, ausführte, zeigt schonungslos das Dilemma, in dem die Behörden der Vereinigten Staaten stecken. Das im November 2002 vom damaligen US-Präsidenten George W. Bush eingerichtete Heimatschutzministerium entfaltet lediglich bei Ausländern und befristeten Besuchern seine ganzheitliche Wirkung. Grenzschutz zu Land und zu Wasser, Kontrolle der Einreise, Koordinierung der Geheimdiensterkenntnisse im Antiterrorkampf, vor allem im muslimischen Ausland, lassen vor dem Hintergrund von „Heiligen Kriegern“ im eigenen Volk dieses Superministerium auf einem schmalen Grat wandern.

In einer, wie der Streit um eine Moschee am Ground Zero zeigt, aufgehitzten Atmosphäre in der US-Gesellschaft könnte der Fall „Shazad“ das Öl im Feuer eines neuen Rassismuses sein. Das in der Verfassung der USA verbriefte Recht auf Freiheit, egal welcher Herkunft oder Religion kollidiert hier eindeutig mit dem ureigensten Wunsch der US-Amerikaner nach Sicherheit und danach, den Antiterrorkrieg nicht in die Staaten gelangen zu lassen. Der erzkonservative US-Sender „Fox“ stellte schon im Sommer diesen Jahres die provokante Frage, ob jetzt alle Muslime der USA in eine Art Generalverdacht genommen werden müssten.

Aus europäischer, sowie im Speziellem aus deutscher Sicht stellen Jihadisten mit EU-Pässen ein kaum zu händelndes Problem dar. Der Tod von acht deutschen Staatsangehörigen, mutmaßliche Islamisten, welcher durch einen CIA-Drohnenangriff in Westpakistan verursacht wurde, sowie die Verurteilung von Mitgliedern der 2006 ausgehobenen terroristischen „Sauerlandgruppe“ lässt auch die Alarmglocken bundesdeutscher Sicherheitsbehörden höher klingen. Nach Angaben des Bundesinnenministeriums stehen mindestens ein Dutzend Islamisten in Deutschland bereit, terroristische Anschläge in Ballungsräumen zu begehen. Länder wie Großbritannien und Frankreich mit ihrem hohen Muslimenanteil stehen vor ähnlich fundamentalen Problemen bei der Terrorbekämpfung. Rasterfahndung und Freiheitsrechte, Ausbau der Geheimdienste und demokratische Grundordnung; dieser Ambivalenz stand die Bundesrepublik schon in den 70er Jahren mit der RAF-Problematik gegenüber. Damals wie heute droht der Ruf nach Sicherheit eine ganze Gesellschaft zu zerreißen.

Video der simulierten Sprengung der Times Square-Bombe durch das FBI