Pages Menu
TwitterRssFacebook
Categories Menu

Gepostet by on Okt 26, 2010 in Allgemein, Armut, Ausland, Forschung, Geschichte, Natur, Politik, Umwelt |

Choleraepidemie in Haiti – Angst vor humanitärer Katastrophe

Internationale Hilfsorganisationen und die Weltgesundheitsorganisation (WHO) kämpfen derzeit (25.10.2010) im karibischen Haiti verzweifelt gegen eine Choleraepidemie an. Die Zahl der Toten, der letzte Woche ausgebrochenen Seuche, beläuft sich auf 259, weitere 3342 Infizierte befinden sich momentan in den völlig überfüllten Krankenhäusern zur Behandlung.

Unterdessen befürchtet die haitianische Regierung ein Ausgreifen der Cholera auf die Hauptstadt, des im Januar diesen Jahres von einem schweren Erdbeben gebeutelten Karibikstaates, Port-au-Prince.

Falls diese Durchfallerkrankung Port-au-Prince erreichen würde, sei die nächste humanitäre Katastrophe vorprogrammiert, so der UN-Koordinator für humanitäre Hilfe in Haiti, Nigel Fisher. Aufgrund der miserablen, hygenischen Verhältnisse in den Port-au-Prince umgebenden Zeltstädten müsse in diesem Fall mit Zehntausenden von Toten zu rechnen sein.

Noch beschränke sich die Epidemie auf das Gebiet um die Stadt Aribonité nördlich der haitianischen Hauptstadt. Gerade der Ausbruch der Cholera in Haiti, welches laut WHO als ein „cholera-untypisches Land“ einzustufen sei, zeigt, wie es um die Lebensverhältnisse zehn Monate nach dem Erdbeben mit über 250.000 Toten bestellt ist.

Verschmutztes Trinkwasser und katastrophale hygienische Bedingungen sind die Grundvoraussetzungen für eine ausbrechende Choleraepidemie.Der Erreger, das Bakterium Vibrio cholerae, wird fast ausschließlich durch verdrecktes Wasser oder infizierte Nahrung aufgenommen und verursacht innerhalb kürzester Zeit (2-3 Taqgen) nach der Aufnahme einen extremen Durchfall mit begleitendem starkem Erbrechen.

Die Patienten können folglich bis zu 20 Liter Flüssigkeit am Tag verlieren, auch Mineralien werden ausgeschwemmt. Nierenversagen und Kreislaufkollaps sind die Folge. Unbehandelt liegt die Sterblichkeit dieser Krankheit bei zwanzig bis siebzig Prozent.

Bei schneller Diagnose und Behandlung wiederum – vor allem mit sauberem Wasser, lebenswichtigen Salzen und einem Antibiotikum – ist die Prognose aber gut. Berühmtheit erlangte hier vorallem die „WHO-Trinklösung“ (eine wässrige Lösung von Traubenzucker, Kochsalz und anderen Elektrolyten), welche als einfache, kostengünstige und effektive Behandlungsmaßnahme bei schweren Durchfallerkrankungen wie eben Cholera oder oder aber auch bei Ruhr eingesetzt wird.

Die vorletzte größere Choleraepidemie suchte Anfang Dezember 2008 das vom Diktator Robert Mugabe heruntergewirtschaftete, afrikanische Land Simbabwe heim und forderte bis Mai 2009 bis zu 4.200 Todesopfer. Auch in diesem Fall waren die äußerst schlechten hygienischen Verhältnisse ein fruchtbarer Boden für die Ausbreitung der Epidemie. Hinzu kam die Behinderung der Hilfs- und internationalen Gesundheitsorganisationen durch den brutal regierenden Machthaber Mugabe.

Aufgrund der einwandfreien (Kläranlagen und Wasserwerke) Versorgung der Bevölkerung mit Trinkwasser in Industrieländern und dem fast lückenlosem Netz von Kanalisationen in Ballungsräumen dieser, ist eine Choleraepidemie in unseren Breiten nahezu ausgeschlossen.

Dadurch ist es auch zu erklären, dass die letzte große Epidemie dieser tückischen Durchfallerkrankung in Deutschland im Hamburg des Jahres 1892 stattfand. Der zu diesem Zeitpunkt wirkende Robert Koch, sowie seine recht frischen Erkenntnisse in der Bakteriologie und in der Hygienewissenschaft konnten nicht verhindern, dass 8.600 Menschen dieser Epidemie zum Opfer fielen.

Keine Kommentare

Trackbacks/Pingbacks

  1. Choleraepidemie in Haiti – Angst vor humanitärer Katastrophe | CookingPlanet - [...] Children Corner : Choleraepidemie in Haiti – Angst vor humanitärer Katastrophe [...]