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Gepostet by on Okt 28, 2010 in Allgemein, Armut, Ausland, Geschichte, Politik, Wirtschaft | 1 Kommentar

Nordkorea fordert Hilfe vom Erzfeind – Begegnungen getrennter Familien als Druckmittel

Bei Verhandlungen um die Begegnung süd- und nordkoreanischer Familienangehöriger scheint die Regierung des stalinistisch regierten Nordkoreas, Vorbedingungen zu stellen. Wie ein südkoreanischer Verhandlungsteilnehmer der internationalen Presse am Mittwoch (27.10.2010) mitteilte, mache Pjongjang neue Begegnungen getrennter Familien auf der Halbinsel von der Lieferung von 500.000 Tonnen Reis und von 330.000 Tonnen Dünger durch Südkorea abhängig.
Erst am Dienstag (26.10.2010) hatte Südkorea ein Schiff mit 5000 Tonnen Reis für nordkoreanische Flutopfer auf den Weg geschickt. Es war die erste derartige Lieferung seit fast drei Jahren.

1. Teil einer Dokumentation über die Verhältnisse in Nordkorea

In dem von der Außenwelt systematisch abgeschnittenen Nordkorea herrscht seit dem Zusammenbruch des Ostblocks dauerhaft Hunger. Der Diktator Kim Jong-Il ist seit 1994 an der Macht und ließ sich von der Propagandamaschenerie auf die Stufe eines unfehlbaren Führers heben. Die Ernährung seines Volkes stand und steht aber für den derzeit schwerkranken Despoten nicht an erster Stelle. 2009 gab die Volksrepublik 25 Prozent ihres Staatshaushaltes für das Militär aus (zum Vergleich: USA mit 5,9 Prozent).

Mit eigenen Atombomben und mit knapp 1,2 Millionen Koreanern unter Waffen ist der Widerspruch zwischen militärischem Großmachtgehabe und fehlender Grundversorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln besonders augenscheinlich. Hinzu kommen noch unzählige Missernten in den letzten Jahren aufgrund ineffektiver landwirtschaftlicher Methoden und enorme Schäden durch Überflutungen.

Das menschenverachtende Regime Kim Jong-Ils braucht innerhalb der eigenen Bevölkerung keine Opposition zu fürchten, zu groß ist die Allmacht des spitzelnden Staatsapparates und die absolut mediale Isolation der Mehrheit der Nordkoreaner. Der außenpolitischen Druck, welcher durch die USA, Japan und vor allem Südkorea erzeugt wird, entfaltet bis dato noch nicht seine Wirkung auf Pjongjang. Mit Russland und hauptsächlich China sitzen im mächtigen Sicherheitsrat traditionell Kim Jong-Il schützende Stimmen in diesem. Auch wenn der Sicherheitsrat die Sanktionen ausweiten würde, wäre es fraglich, ob die hungernde Bevölkerung mehr Mangel ertragen kann.

Dass die Volksrepublik sich aber nun mit der Forderung um Nahrungsmittel gerade an den Erzfeind in Seoul wendet, ist aus vielerlei Hinsicht erstaunlich. Zum einen befinden sich die Beziehung zwischen Nord- und Südkorea momentan auf einem erneuten Tiefpunkt. Die mutmaßliche Versenkung einer südkoreanischen Korvette durch die Flotte Kim Jong-Ils im März diesen Jahres (2010) zeigte, dass beide Koreas in mehr als in einem Kalten Krieg leben.

Zum anderen wird durch dieses Zeichen der Schwäche gegenüber des Erzfeindes Nordkoreas überdeutlich, wie schlecht es um die Eigenversorgung der Volksrepublik steht. Bleibt nun abzuwarten, wie sich ein möglicher Führungswechsel (Kim Jong-Il gilt als schwer krank und sein Sohn Kim Jong-un wird derzeit als Nachfolger aufgebaut) verbunden mit der katastrophalen Lage des Landes auf die Politik der allmächtigen Partei auswirkt. In einem Punkt sind sich aber nahezu alle Experten einig; einen wirklichen Wandel wird es nur durch eine Opposition innerhalb des Parteiapparates geben und diesen nur allmählich.

2. Teil einer Dokumentation über die Verhältnisse in Nordkorea

3. Teil einer Dokumentation über die Verhältnisse in Nordkorea

1 Kommentar

  1. die Norkoreaner sind auch immer wieder für eine Überraschung gut. Besonderst hat mich ja die Tatsache amüsiert, dass sie zu Olympia in China Fans eingekauft haben, weil keiner das Lande verlassen darf. Da kann man doch nur mit dem Kopf schütteln…