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Gepostet by on Okt 28, 2010 in Allgemein, Ausland, Geschichte, Gewalt, Politik, Terror, Verbrechen |

Rassistischer Sniper terrorisiert Malmö – Schon eine Tote und zehn Verletzte

Ein Heckenschütze versetzt derzeit die südschwedische Stadt Malmö in Angst und Schrecken. Mit einem Scharfschützengewehr bewaffnet hat es der Täter seit Ende 2009 gezielt auf dunkelhäutige Menschen abgesehen, welche hauptsächlich ahnungslos von hinten im Oberkörper- und Kopfbereich getroffen wurden. Seine Schreckensbilanz beläuft sich auf eine Tote und über zehn Verletzte. Der letzte Anschlag ereignete sich in der Nacht zum Freitag (22.10.2010), als der Heckenschütze versuchte, zwei dunkelhäutige, junge Frauen duch ihr Wohnungsfenster zu erschiessen.

Da die Polizei Malmös keine weitere Verbindung zwischen den Opfern als die dunkle Hautfarbe ausmacht, geht sie von einem rassistischen Tatmotiv aus. Des Weiteren sei man nach Angaben des Ermittlungsleiters Mats Lassén sicher, dass es sich um einen Einzeltäter handele. Aufgrund der Trefferleistung des Heckenschützens vermutet die Sonderkommission, einen trainierten Armeescharfschützen oder einen Sportschützen hinter der Tat.

Für die Bevölkerung Malmös kommen mit dieser Anschlagsserie Erinnerungen an den „Lasermann“ aus den frühen neunziger Jahren hoch. Damals machte ein Mann mit einem Scharfschützengewehr mit Laserzielfernrohr ausgestattet ebenfalls Jagd auf Schweden mit Migrationshintergrund. Nur dank eines Zufalls konnte der Rechtsextremist John Ausonius, alias „Lasermann“, nach einem Bankraub gefasst und ihm die Tat aufgrund der Waffe nachgewiesen werden.

Dass es im aktuellen Fall zu solch‘ einer zufälligen Aufklärung kommen wird, bleibt fraglich. Im Allgemeinen stellen amoklaufende Heckenschützen die Ermittlungsbehörden vor immense Schwierigkeiten. Zum einen fehlt aufgrund der sehr großen Schussdistanz, die Reichweite von Militärscharfschützen kann bis zu 2.500 Meter betragen, oftmals jeglicher Hinweis zum Aussehen des Täters. Zum anderen bleibt dem Opfer kaum eine Chance zur Verteidigung bzw. zur Flucht.

Auch fehlt dem Täter erfahrungsgemäß jeglicher Bezug zum Opfer, was für die Polizei die Ermittlungen im Bereich des Motivs als sehr schwierig gestaltet. So war beispielsweise die Willkür der Washingtoner Sniper, auch genannt „The Beltway Sniper“, für die Ermittlungsbehörden der Hauptgrund, warum die beiden Täter aus einem umgebauten Van den ganzen Oktober im Jahr 2002 hindurch mindestens zehn Menschen erschießen konnten, bevor sie gefasst wurden.

Was ein zum Töten entschlossener Scharfschütze anrichten kann, zeigt der Fall Charles Whitman aus dem Sommer 1966. Damals verschanzte sich der Ex-Marine-Sniper in Austin/Texas auf einem Turm im Zentrum der Stadt mit einigen Präzisionsgewehren und ausreichend Munition. In über 90 Minuten erschoss der amoklaufende Whitman 17 Menschen und verletzte 66 weitere Opfer.

Teil einer Doku über Charles Whitman

In diesen anderthalb Stunden wurde der amerikanischen Öffentlichkeit gezeigt, wie hilflos eine Stadt einem geübten Heckenschützen gegenüber stehen kann. Als Folge dieses Amoklaufes wurde in den USA die berühmten SWAT-Teams gebildet, welche sich seitdem in ähnlichen Fällen bewährt haben.

Die Hoffnung der Malmöer Bevölkerung dem neuen Scharfschützen nicht absolut hilflos gegenüber zustehen, beschränkt sich vorerst darauf, dass man von einem rassistischen Motiv sprechen kann. Die Polizei jedenfalls ermittelt nun verstärkt im rechtsextremen Milieu. Bleibt aber auch hier zu hoffen, dass dieser Täter einen entscheidenden Fehler machen wird.