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Gepostet by on Jun 8, 2009 in Esther de Waha, Psychologie |

Vom Veto gegen DU MUSST

DU MUSST noch einkaufen, du musst noch diese Sache erledigen, du musst etwas werden, du musst du musst du musst. Fast alle haben wir diesen Satz internalisiert, wir müssen, dies und das und jeden Tag. Wir müssen uns mal wieder treffen, ich müsste mal wieder ausgehen, ich müsste mal.

Sprache hat einen direkten Einfluss auf unsere Wahrnehmung, das haben Wissenschaftler mittlerweile hinlänglich bewiesen. Das gilt für jede Art der Sprache, die gesprochene und die gedachte. Diese unsere Sprache hat jeweils einen direkten Einfluss auf unser Gegenüber, auf unsere Umwelt und ihre Reaktionen uns gegenüber, aber sie hat einen noch viel größeren Einfluss, den nämlich der auf uns selbst zurückführt!

Auch wir selbst nehmen uns durch unsere von uns gesprochene und gedachte Rede wahr. Was wir sagen, wirkt auf uns zurück. Sag mir wie du sprichst und ich sage dir wer du bist. Das gleiche wirkt für den Satz: Sage mir wie du denkst, und ich sage dir wie du fühlst und handelst.

Wer kann sich mit einem Du-Musst-Satz frei fühlen? Wer kann sich wohlfühlen mit diesem Wort müssen? Ist das nicht der Satz der Kindheit, dem wir uns alle verweigern wollten? Der Satz der von der Autorität kam und etwas Deutliches von Fremdbestimmung hatte? Haben Sie sich auch beschwert, zumindest heimlich, dass nicht auch mal das Ich-will und Ich-kann im Vordergrund stand?

Wir müssen SCHNELL handeln, wir müssen SCHNELL noch etwas erledigen, Entscheidungen treffen und zwar sofort. Wie schwer fällt es mittlerweile vielen, sich einen Aufschub zu erbitten, die Entscheidung zu überdenken oder einfach mal einen Tag gar nichts tun. Denn es liegt ja soviel herum, was erledigt werden müsste.

Nun wird dieser Vorgang im Stillen weitergeführt so wie viele andere dieser Sätze, die wir zu oft gehört haben und die sich nun in unser Hirn, Herz und Wahrnehmung eingeschrieben haben, ohne dass wir sie noch recht wahrnehmen und etwa korrigieren können.

So ist dies die Gelegenheit! Nutzen Sie diesen Denkanstoß um sich in den nächsten Tagen einmal zu beobachten, wie denn Ihr ganz persönlicher, ureigener Denkvorgang so vor sich geht. Was Ihnen durch den Kopf geht, während Sie so scheinbar unbeteiligt Ihrem Tagewerk nachgehen und all die Dinge erledigen, die heute und morgen und übermorgen von Ihnen erledigt werden müssen.

Wenn Sie dort tatsächlich solche Gedanken finden sollten, so ist dies Ihr erster Schritt zur Re-Organisation. Gibt es Situationen, in denen Ihnen diese inneren Antreiber nützlich sind? In denen Sie durch den Input, denen Ihnen Ihre Gedanken geben, vorwärts getrieben werden und so die Energie finden, sich im Leben zu behaupten oder die Ihnen helfen, Situationen zu vermeiden, die Ihnen bekanntlich unangenehm sind und häufig daneben gehen. Aber schauen Sie sich auch die Situationen an in denen Sie wahrnehmen, dass in Ihnen in diesem Moment ein ZUVIEL des inneren Kontrolleurs herrscht und Sie eigentlich gerne diese innere Stimme zum Schweigen brächten.

Nun können Sie sich in Ruhe überlegen, welcher dieser Sätze und Mechanismen Ihnen – aus aktueller Sicht – überflüssig oder hemmend erscheint.

Vielleicht hilft ja schon ein Ersetzen von ICH MUß in ICH MÖCHTE oder ICH WERDE, WEIL ICH WILL. Wie gesagt: Ihre Sprache, auch die gedachte, wirkt zurück auf Ihr Bewusstsein und Ihr Wohlbefinden. Die gedachte Sprache jedoch unterliegt wie alles andere Gewohnheiten, auch schlechten, und kann trainiert und für Erfolge belohnt werden. Ihrer Fantasie sind keine Grenzen gesetzt.

Und seien Sie nachsichtig mit sich: Lernen benötigt Zeit. Immer. Sei es beim Einmaleins oder bei der eigenen „Entschleunigung“.

Exkurs zum Thema „Vom Veto gegen DU MUSST„:

Das Bedürfnis nach Ruhe und „Entschleunigung“ ist keine Faulheit, es ist ein Überlebensmechanismus. Der Mensch ist genetisch nicht für diese große Datenmenge gebaut, die er heutzutage bewältigen muss.

In den letzten 10.000 Jahren hat es nur 2 genetische Veränderungen gegeben, unser Genpool ist also bis auf 2 kleine veränderte Basenverbindungen gleich geblieben und damit auch die genetische Ausrichtung. Der Mensch hat ursprünglich in überschaubaren sozialen Einheiten gelebt, er hatte ein bestimmtes Ausmaß an Aufgaben und Eindrücken zu bewältigen. Hart im Überlebenskampf wie diese Zeit damals war, so hat sie doch dem Menschen sehr viel mehr Struktur geboten. Essen, Trinken, Schlafen, Fortpflanzen und soziale Bindung, das hat dem Steinzeitmenschen gereicht, um es äußerst vereinfacht darzustellen.

Wie unendlich vielfältiger sind die Anforderungen von heute, die wir hart an der Grenze unserer Leistungsfähigkeiten jeden Tag stemmen. Umso wichtiger also sind die kleinen Ruhepausen, die unserem Gehirn, rein bio physiologisch Erholung gönnen. Das System Gehirn mit all seinen Verbindungen und Mechanismen braucht Zeit, um die Eindrücke zu ordnen, zu selektieren, bewerten und zu integrieren. Diese Mechanismen finden im Stillen statt.

Es gibt zuhauf Lernexperimente die beweisen, das ein großer Teil des Reflektierens und Speicherns von neuem Material im Schlaf stattfindet. Dies ist der unanfechtbare Beweis, dass Menschen Kontemplationsphasen benötigen.
OHNE PAUSE KEINE SAUSE.

geschrieben von Diplom Psychologin Esther de Waha

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